Tausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit
Catrin KabusTausende protestieren in Köln und Bonn gegen sexualisierte Gewalt und Frauenfeindlichkeit
Tausende sind in Köln und Bonn auf die Straße gegangen, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren. Die Demonstrationen folgen einer Der-Spiegel-Untersuchung, die die öffentliche Debatte über digitale Misshandlung und Frauenfeindlichkeit neu entfacht hat. Die Veranstalter und Redner forderten strengere Gesetze und riefen Männer dazu auf, schädliche Einstellungen zu hinterfragen.
Die Proteste begannen in Köln, wo am Vortag der Bonner Kundgebung über 5.000 Menschen demonstrierten. Am folgenden Sonntag versammelten sich Hunderte in der Bonner Innenstadt und füllten den Marktplatz vor dem alten Rathaus. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Bündnis aus Stadtratsparteien, darunter die Grünen, CDU, SPD und Volt.
Jeder Redner bei der Bonner Demonstration forderte Männer auf, mehr Verantwortung im Kampf gegen Frauenfeindlichkeit zu übernehmen. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zu sexualisierter Gewalt. Achtermeyer setzte sich zudem für schärfere rechtliche Schutzmaßnahmen ein – ein Aufruf, der vom Publikum mit lautem Applaus bedacht wurde.
Die Proteste erfolgen nach einem Der-Spiegel-Bericht, in dem die Schauspielerin Collien Fernandes ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen, Vorwürfe gemacht hatte. Der Artikel löste eine breitere Diskussion über digitale Gewalt aus und veranlasste Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD), im März 2026 neue Maßnahmen anzukündigen. Deutschland wird dann die Erstellung und Verbreitung von nicht einvernehmlichen Deepfake-Pornografien unter Strafe stellen – in Übereinstimmung mit EU-Richtlinien, die bis Juni 2027 umgesetzt werden müssen. Über 250 prominente Frauen unterstützen zudem einen Zehn-Punkte-Plan zur Stärkung des Schutzes vor männlicher Gewalt.
Auch CDU-Politikerinnen aus der Frauen-Union der Partei schlossen sich den Forderungen nach besseren Schutzmaßnahmen an. Ihre Appelle stießen jedoch auf eine zurückhaltendere Resonanz im Vergleich zur breiten öffentlichen Empörung.
Die Demonstrationen in Köln und Bonn unterstreichen den wachsenden öffentlichen Druck, gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen. Rechtliche Reformen sind bereits im Gange: Bis Mitte 2027 soll Deutschland Lücken im Bereich digitaler Missbrauch schließen. Die Proteste spiegeln zudem die allgemeine Frustration über frauenfeindliche Haltungen und die Notwendigkeit eines systemischen Wandels wider.






