Warum Deutschlands Bahnnetz am Limit ist – und wer die Schuld trägt
Herbert RennerWarum Deutschlands Bahnnetz am Limit ist – und wer die Schuld trägt
Deutschlands Bahnnetz steht unter wachsendem Druck: Verspätungen und Ausfälle häufen sich
Die Deutsche Bahn führt die anhaltenden Probleme vor allem auf die überalterte Infrastruktur zurück. Doch Fachleute sehen tiefgreifendere Ursachen. Reisende auf Strecken wie Köln–Hagen erleben derzeit Verzögerungen, etwa wegen Bauarbeiten am Bahnhof Wuppertal-Barmen. Doch das ist nur ein Beispiel für die flächendeckenden Schwierigkeiten im Netz, wo Überlastung und begrenzte Gleiskapazitäten die Leistungen an ihre Grenzen bringen.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer betont die dringende Sanierungsnot in seinem Bundesland. Die Bahn modernisiert dort bereits zehn Streckenabschnitte, acht weitere Projekte sind in den kommenden Jahren geplant. Doch ein Mangel an Abnahmeprüfern bremst die Wiederinbetriebnahme sanierter Strecken – und verschärft den Stau.
Während die Deutsche Bahn die marode Infrastruktur als Hauptgrund für Verspätungen nennt, widerspricht der Bahnexperte Christian Böttger dieser Einschätzung. Sein Vorwurf: Der Fokus auf die Infrastruktur blendet aus, dass zu viele Züge auf zu wenigen Gleisen unterwegs sind. Einige Fachleute fordern sogar, den Regionalverkehr auszu dünnen, um die Überlastung zu verringern.
Auch der Bundesrechnungshof hat sich kritisch geäußert: Er rügt das Management der Bahn und die Untätigkeit der Bundesregierung. In einem Bericht wird die jahrelange Vernachlässigung der systemischen Probleme des Schienennetzes angeprangert.
Mit anhaltenden Baustellen, Personalmangel und einem überlasteten System drohen Deutschlands Bahnkunden weitere Einschränkungen. Die Diskussion über Lösungsansätze – ob durch Infrastrukturausbau, Fahrplanürzungen oder besseres Management – bleibt vorerst unentschieden.






