Wie ein US-Programm Schüler zu Lebensrettern in Krisensituationen ausbildet
Catrin KabusWie ein US-Programm Schüler zu Lebensrettern in Krisensituationen ausbildet
"Sag was" – ein nationales Programm lehrt Schüler, Warnsignale für Gewalt und Selbstgefährdung zu erkennen
Seit 2013 bildet das Programm Sag was Schüler darin aus, Anzeichen für mögliche Gewalt oder Selbstverletzung bei Mitschülern frühzeitig zu erkennen. Initiiert wurde es von Nicole Hockley, deren Sohn Dylan beim Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School getötet wurde. Mittlerweile ist die Initiative in allen 50 US-Bundesstaaten aktiv. Ihr Ziel ist klar: künftige Tragödien verhindern, indem junge Menschen ermutigt werden, sich zu melden, bevor Schlimmeres passiert.
Im Rahmen von Sag was lernen Schüler, Alarmzeichen bei Klassenkameraden zu deuten – etwa Drohungen in sozialen Medien, ein ungewöhnliches Interesse an Waffen oder plötzliche Verhaltensänderungen. Bei Verdachtsmomenten können sie anonym Hinweise über eine spezielle Plattform weitergeben oder sich an eine vertraute erwachsene Person wenden.
Die Meldestelle wird rund um die Uhr von geschulten Krisenberatern überwacht. Geht ein Hinweis auf eine akute Gefahr ein, werden örtliche Polizeibehörden und Schulleitungen alarmiert. Seit dem Start des Programms gingen fast 395.000 Meldungen ein, wobei Mobbing, Drogenkonsum, Belästigung und Selbstverletzung zu den häufigsten Anliegen zählten.
Ein solcher Tipp erwies sich 2021 als entscheidend: In Indiana wurde ein Schüler nach einer Drohung mit einem Schulattentat festgenommen – dank einer Meldung über das System. Die Reichweite des Programms wächst stetig. Trainer der Organisation Sandy Hook Promise – einer von Hockley und anderen Angehörigen der Newtown-Opfer gegründeten Nichtregierungsorganisation – schulen landesweit Tausende Schüler.
Sag was expandiert weiter und bietet Schulen ein Werkzeug, um potenzielle Bedrohungen frühzeitig zu entschärfen. Indem junge Menschen lernen, auf Warnsignale zu reagieren, ehrt das Programm das Andenken der Sandy Hook-Opfer. Sein Erfolg zeigt sich in konkreten Eingriffen – von vereitelten Anschlägen bis hin zur Unterstützung von Schülern in Krisensituationen.






