22 January 2026, 07:26

Wie Köchinnen Deutschlands männliche Küchenkultur aufbrechen und sichtbarer werden

Drei Frauen in Schürzen und Häubchen stehen in einer schwarz-weißen Küche und bereiten Essen mit Utensilien und Schüsseln auf der Arbeitsfläche vor, rechts daneben ein Stuhl und im Hintergrund Rohre.

Wie Köchinnen Deutschlands männliche Küchenkultur aufbrechen und sichtbarer werden

Deutschlands kulinarische Szene kämpft für mehr Gleichberechtigung – immer mehr Köchinnen erobern die traditionell männlich dominierte Branche

Im Jahr 2025 gab die Food-Journalistin Denise Wachter mit Chef:in den Startschuss für Deutschlands erste Plattform, die sich ausschließlich der Sichtbarmachung von Spitzenköchinnen widmet. Die Initiative kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Frauen zwar einen wachsenden Anteil der ausgebildeten Fachkräfte in der Gastronomie stellen, aber nach wie vor nur ein Drittel der Führungspositionen besetzen.

Seit dem Launch im Januar 2025 präsentiert Chef:in zunächst 18 führende Köchinnen – mittlerweile sind es 27, darunter Namen wie Alina Meissner-Bebrout vom bibraud in Ulm, Ash Lee vom Berliner Chungking oder die in München tätige Nathalie Leblond vom Les Deux. Das Verzeichnis soll die Sichtbarkeit und Vernetzung von Frauen in der Haubenküche fördern, wo Anerkennung nach wie vor ungleich verteilt ist.

Auch in Hamburg macht die Köchin Clara Hunger mit Nullkommaeins, einer Pop-up-Bar im Szeneviertel St. Pauli, von sich reden. Ihr Projekt bereichert die sich wandelnde Food-Szene der Stadt, in der Frauen langsam, aber stetig an Einfluss gewinnen. Zwar begannen 2023 in Hamburg noch immer weniger Frauen als Männer eine kulinarische Ausbildung, doch ihre Zahlen steigen. Die Wirkung der Plattform ist bereits spürbar: Produktionsfirmen nutzen Chef:in mittlerweile gezielt, um weibliche Talente für Kochshows zu entdecken – ein wichtiger Schritt, um die seit langem bestehenden Ungleichgewichte in der Branche zu durchbrechen.

Doch die Diskrepanz bleibt eklatant: 2025 hielten in Deutschland nur 14 Frauen einen Michelin-Stern – gegenüber 337 Männern. Über die reine Anerkennung hinaus denken einige Köchinnen auch die Küchenkultur neu. So setzt Zora Klipp, Küchenchefin im Café Weidenkantine und im Restaurant Blattgold, auf pflanzenbasierte Gerichte und arbeitet gleichzeitig daran, starre Hierarchien in der Küche abzubauen. Ihr Ansatz steht für einen größeren Wandel hin zu kollaborativeren, geschlechtergemischten Teams.

Plattformen wie Chef:in und ähnliche Initiativen zeigen sowohl die Fortschritte als auch die weiterhin bestehenden Herausforderungen für Frauen in der deutschen Gastronomie. Zwar steigt die Zahl der Auszubildenden und Führungskräfte langsam, doch die Zahlen verdeutlichen nach wie vor eine klare Schieflage. Sichtbarkeit und Vernetzungsmöglichkeiten wie Chef:in sind daher unverzichtbar, um den Wandel weiter voranzutreiben.